Der Ankereffekt bei Aufwandsschätzungen
Die erste Zahl bleibt hängen.
Wenn jemand sagt, eine Änderung müsse doch in zwei Tagen machbar sein, beginnt die weitere Diskussion selten wieder bei null. Zwei Tage werden zum Anker. Danach wird darüber verhandelt, ob es vielleicht drei oder vier Tage braucht – selbst wenn eine unabhängige Analyse zu zwei Wochen geführt hätte.
Auch meine eigenen ersten Schätzungen wirken so. Sobald ich eine Zahl ausgesprochen habe, empfinde ich spätere Korrekturen leicht als persönliches Scheitern. Dann passe ich nicht die Schätzung an die Realität an, sondern versuche, die Realität in die Schätzung hineinzupressen.
Hilfreicher ist es, eine frühe Zahl ausdrücklich als grobe Orientierung zu kennzeichnen und später neu zu schätzen, sobald die entscheidenden Unsicherheiten bekannt sind. Noch besser ist die Frage:
Welche Annahmen müssten stimmen, damit diese Schätzung realistisch ist?
Dann wird aus einer vermeintlich objektiven Zahl ein prüfbares Modell.