Der Status-quo-Bias in Legacy-Systemen
Bei alten Systemen gibt es zwei gegensätzliche Versuchungen.
Die eine lautet:
Das haben wir immer so gemacht. Es funktioniert doch.
Die andere:
Das ist alles veraltet. Wir müssen es komplett neu schreiben.
Beides kann verzerrt sein.
Der Status quo bekommt einen ungerechtfertigten Vertrauensvorschuss, nur weil er bereits existiert. Gleichzeitig kann eine neue Technologie überbewertet werden, weil sie moderner, eleganter oder für Entwickler interessanter wirkt.
Ein altes System enthält oft Wissen, das nirgendwo dokumentiert ist. Ein neues System beseitigt nicht automatisch die organisatorischen und fachlichen Probleme des alten. Umgekehrt ist „es läuft noch“ kein ausreichendes Argument dafür, jede technische Schuld weiterzutragen.
Die bessere Frage ist nicht:
Alt oder neu?
Sondern:
Welcher konkrete Teil verursacht welches Risiko, und welche Veränderung verbessert dieses Verhältnis tatsächlich?
Das führt häufig weder zur vollständigen Bewahrung noch zum großen Rewrite, sondern zu einer schrittweisen Modernisierung.