Power Patterns

Die Schematherapie beschreibt maladaptive Schemas – tief verankerte Muster aus Wahrnehmung, Gefühl und Verhalten, die uns im Weg stehen. Aber wenn es dysfunktionale Schemas gibt, muss es auch die Gegenstücke geben: eine große Zahl funktionaler, adaptiver Muster, die gelingendes Leben überhaupt erst tragen. So wie Jean Piaget die senso-kognitiv-motorischen Schemas des Kindes beschrieb – Greifen, Schöpfen, Ordnen –, lohnt es sich, diese Power Patterns zu benennen und in weiterer Folge gezielt zu trainieren.

Der Ansatz ruht auf drei Gedanken:

  • Ein Schema ist mehr als ein Skill. Es ist ein gebündeltes Ganzes aus Wahrnehmung, Gefühl und Handlung, das als Einheit feuert. Deshalb übt man nicht eine isolierte Fertigkeit, sondern eine ganze Reaktionsgestalt – „um Hilfe bitten", „nach einem Konflikt reparieren", „den nächsten kleinen Schritt finden".
  • Trainiert wird durch Reibung, nicht durch Einsicht. Schemas wachsen im Gebrauch: Sie verallgemeinern sich auf neue Situationen und werden korrigiert, wenn die Wirklichkeit widerspricht. Man installiert ein Power Pattern nicht, indem man es versteht, sondern indem man es wiederholt an der Realität erprobt.
  • Adaptiv ist kein fixer Katalog. Überstrapaziert wird jedes Power Pattern selbst zum maladaptiven Muster. Die eigentliche Fähigkeit ist nicht ein einzelnes starkes Schema, sondern ein breites Repertoire – und das Urteil, welches Muster der Moment gerade verlangt.

Der Gewinn ist nicht eine Sammlung tugendhafter Gewohnheiten, die man ein für alle Mal installiert. Es ist ein reicheres, beweglicheres Repertoire – und die Wachheit, kein Muster so weit zu trainieren, bis es zu genau dem erstarrt, wovor die Schematherapie warnt.