Tame Your Bias
Eine kognitive Verzerrung ist kein Defekt, den man loswerden müsste, sondern ein evolutionär erworbenes Feature des Gehirns, mit dem umzugehen man lernen kann. Das Ziel ist kein fehlerfreier Verstand, sondern ein Verstand, der seine eigenen Neigungen gut genug kennt, um sie in Aktion zu ertappen.
Der Ansatz ruht auf drei Gedanken:
- Verzerrungen sind Features, keine Bugs. Dieselbe Abkürzung, die dich im einen Kontext in die Irre führt, hält dich im anderen schnell, entscheidungsfähig und sicher.
- Benennen ist zu wenig. Eine Verzerrung im Lehrbuch zu erkennen bewirkt für sich genommen nichts; das Muster feuert weiter, in Echtzeit und unter Druck.
- Zähmen heißt Vertrautheit. Du schwächst den negativen Impact einer Verzerrung, indem du dich mit ihr anfreundest.
Der Gewinn ist nicht Perfektion im Sinne von glasklaren rationalen Entscheidungen. Sondern mehr Kongruenz, d. h. mehr Entscheidungen, die mit deinen Werten und Prioritäten übereinstimmen.
Siehe auch: Ich werde meine Denkfehler nie los